Wie und warum wir tun, was wir tun

Wir entwickeln Software, die glücklich macht. Und das nicht nur, weil wir programmieren können! Wir beschäftigen uns auch damit, wie Organisationen sich entwickeln, wie Management und Teamarbeit funktionieren. Unser über Jahre gesammeltes Wissen wollen wir mit Ihnen teilen. Und präsentieren Ihnen im Jahr 2019 sechs ausgewählte Themen, mit denen wir uns aktuell beschäftigen: als Videobotschaften, bei Veranstaltungen oder als Artikel auf unserer Website.

Thema 3: Feedback richtig geben – und annehmen!

Damit Feedback nicht zu Konflikten führt oder folgenlos verpufft, braucht es zwei: Nicht nur jemand, der weiß, wie man es gibt, sondern auch jemanden, der dafür offen ist. Hier Regeln und Tipps für die beiden Seiten der Feedback-Medaille!


Mit Feedback mehr erreichen: Ein Schwein und ein Huhn Arm in Arm. 
Illustration: Angelika Kadnar


Keine Frage: Feedback ist ein wichtiger Bestandteil der erfolgreichen Teamarbeit. Es spornt an und verbessert, verhindert Missverständnisse, motiviert und regt zum Nachdenken an.

Doch es ist keine einfache Sache, das Feedback, egal ob bei der Arbeit oder privat. Vor allem wenn es negativ ist. Denken Sie nach – wie oft waren Sie schon in Situationen, in denen Ihr eigentlich hilfreiches Feedback von jemanden schlecht aufgenommen wurde? Oder Sie selbst überhaupt nicht damit umgehen konnten?

Auch in unserem Team, in dem Feedback eine wichtige Rolle spielt, läuft es nicht immer rund. Warum ist das so?

Die zwei Seiten der Feedback-Medaille

Denken Sie immer daran: Beim Feedback-Prozess stehe sich immer mindesten zwei Individuen gegenüber. Sie haben ihr vorgefassten Meinungen, Vorstellungen und natürlich die aktuelle emotionale Stimmungslage!
Illustration: Ein Schwein, dass an einen schinken denkt und ein Huhn, dass an ein Ei denkt.
Unterschiedliche Vorstellungen zum gleichen Thema – kein Wunder, dass Kommunikation nicht immer reibungslos funktioniert! Illustration: Angelika Kadnar


Auf der einen Seite ist die Geberseite dafür verantwortlich, das Feedback nach den Regeln der Kunst zu geben. Was oft vergessen wird, ist, dass auch die Empfängerseite Verantwortung dafür trägt, wie das Feedback auf- und angenommen wird. Reden wir zuerst über diese Seite!

 

Auch wenn’s schwer fällt: Feedback annehmen

Stellen Sie sich vor, Sie haben sich heute gleich nach dem Aufstehen schmerzhaft die große Zehe gestoßen, danach ist Ihnen der Bus vor der Nase weggefahren, im Büro war die Kaffee-Milch sauer und gerade kam ein giftiges Beschwerde-E-Mail eines Kunden. Wie empfänglich wären Sie gerade für (negatives) Feedback, egal wie konstruktiv formuliert?

Karikatur: Ein offensichtlich schlecht gelauntes Schwein sitzt unter einer Regenwolke, während ein Huhn im Feedback geben will.
Es gibt bessere Situationen für ein Feedback...  Illustration: Angelika Kadnar
 

In solchen Situationen kommt Feedback wahrscheinlich nicht gut bei Ihnen an – und das ist schade, da es Sie beruflich und privat weiterbringen kann. Daher versuchen Sie sich folgende Regeln nächstes Mal zu Herzen zu nehmen:
  1. Tief durchatmen und aufmerksam zuhören: Ja, das E-Mail vom Kunden hat gerade wehgetan – und hat nichts mit dem Input des Kollegen/der Kollegin zu tun. Versuchen Sie daher, Ihren Ärger nicht an ihm/ihr auszulassen! Und vergessen Sie nicht: Sollte es gerade wirklich nicht die passende Situation sein, haben Sie immer das Recht, um ein Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt zu bitten
  2. Anderen ausreden lassen: Fallen Sie ihrem Gegenüber nicht ins Wort. Denn wenn Sie nicht das ganze Feedback hören, könnten Sie es am Anfang schon falsch verstehen.
  3. Nicht versuchen sich zu rechtfertigen oder zu verteidigen: Es ist eine ganz natürliche Reaktion, bei Kritik sofort in Abwehrstellung zu gehen. Versuchen Sie, diesem Impuls nicht zu folgen! Besser ist es – wenn nötig – Ihr Verhalten oder falsche Aspekte des Feedbacks sachlich zu klären. Ohne weiteres auch zu einem späteren Zeitpunkt nach einer Nachdenk-Pause.
  4. Nachfragen: Statt sich zu verteidigen fragen Sie nach, um feststellen, ob Sie wirklich alles richtig verstanden haben. Ein guter Trick dabei ist auch das Feedback mit eigenen Worten zu wiederholen – so zeigen sich auch schnell etwaige Missverständnisse!
  5. Versuchen Rückmeldung nachzuvollziehen: Soweit es möglich ist, versetzen Sie sich in die Lage des Gegenübers und versuchen Sie die Situation durch seine Augen zu sehen.
  6. Bedanken für Feedback: Sich für Feedback zu bedanken – auch für negatives – zeigt nicht nur Wertschätzung dem/der FeedbackgeberIn gegenüber, sondern auch die eigene Souveränität im Umgang mit Feedback.
Karikatur: Ein Schwein mit einem Pflaster vor dem Mund.
Ganz wichtig beim Annehmen von Feedback: Ruhig bleiben und sich selbst eine Zuhör-Pause verpassen! Illustration: Angelika Kadnar
 

Richtig gutes Feedback geben

Das Annehmen von Feedback wird natürlich um einiges leichter, wenn das Feedback gut vorbereitet und durchdacht ist. Denn falsch formuliert oder zum falschen Zeitpunkt gebracht, wird Feedback schnell zur Bevormundung, Nörgelei oder Demütigung.

Zusätzlich ist das Nachdenken über das Feedback, das man geben möchte, eine gute Gelegenheit die eigene Wahrnehmung des Geschehenen nochmals zu überprüfen.

Daher hier die goldenen Regeln für gutes Feedback sowie einige hilfreiche Formulierungen!
 

Regeln für gutes Feedback

  1. Gutes Feedback ist erwünscht: Nur wenn der/die AdressatIn ein Interesse an Feedback hat, wird er/sie dafür offen sein.
  2. Gutes Feedback ist zeitnah: Wenn die Empfängerseite den Zusammenhang sieht und damit das Feedback nachvollziehen kann, nimmt sie es an. Das heißt natürlich nicht, dass man sofort damit herausplatzen soll – ohne Empathie für den Moment oder aktuelle Gefühle.
  3. Gutes Feedback ist konstruktiv: Es ist weder verurteilend noch verletzend, es beurteilt und verurteilt nicht.
  4. Gutes Feedback ist konkret: Es beinhaltet Fakten und individuelle Wahrnehmungen – die Empfängerseite versteht worum es geht und was sich aus dem Feedback lernen lässt.
  5. Gutes Feedback ist positiv: Auch, wenn Kritik geäußert wird, soll Feedback immer Perspektiven aufzeigen und motivieren.
 Die Regeln für gutes Feedback in Rezept-Form
Mit diesen Zutaten gelingt gutes Feedback! Illustration: Angelika Kadnar

 

Formulierung von Feedback

1. Schritt: Zeigen Sie Ihre Sicht der Dinge!

Bei Feedback geht es um Ihre persönliche Wahrnehmung des Verhaltens Ihres Gegenübers und nicht um die allgemeingültige Wahrheit. Zeigen Sie das, indem Sie sich auf Fakten bzw. nachvollziehbare Situationen beziehen und Formulierungen wie diese verwenden:
  • Ich habe den Eindruck, dass…
  • Mir ist in jüngster Zeit aufgefallen…
  • Ich finde, dass Sie im Vergleich zu …
  • Ich hätte mir mehr gewünscht, dass…
  • Ich fände es besser, wenn Sie beim nächsten Mal…
  • Ich würde mich freuen, wenn Sie künftig zum Beispiel…
 

2. Schritt: Erklären Sie Ihren Standpunkt!

Nun sollten Sie erklären, wie diese Wahrnehmung auf Sie wirkt und welche persönlichen Schlüsse Sie daraus ziehen. Formulierungen dafür sind zum Beispiel:

  • Für mich fühlt es sich so an, als ob…
  • Das bewirkt bei mir, dass…
  • Bei mir sorgt es dafür, dass…
 

3. Schritt: Nennen Sie Ihre Erwartungen

Wie in den Regeln beschrieben, soll das Feedback konstruktiv und positiv sein – das heißt, dass es Lösungsvorschläge oder Handlungsaufrufe enthält. Es ist auch möglich den Adressaten in die Lösung aktiv einzubinden! Formulierungen dafür sind zum Beispiel:

  • Mein Wunsch ist…
  • Unsere Vereinbarung ist…
  • Was wäre eine Möglichkeit, um…


 

Feedback – ein sehr weites Feld

Es gäbe noch so viel mehr über das Thema Feedback zu sagen! Wer sich noch weitere einlesen möchte, findet hier noch ein paar interessante Lesetipps in Form von Links und Büchern.

  • Eine Definition von „Feedback“ finden Sie auf Wikipedia
  • Ein Ziel von Feedback ist der Abgleich der Selbst- und Fremdwahrnehmung. Dabei soll vor allem der „blinde Fleck“ in der Selbstwahrnehmung verkleinert werden. Schön illustriert diesen „blinden Fleck“ das Johari-Fenster .
  • Tipp: Streichen Sie „Aber“ aus dem Wortschatz“
  • Buch: Manfred Gellert & Claus Nowak, (2002) „Teamarbeit, Teamentwicklung, Teamberatung. Ein Praxisbuch für die Arbeit in und mit Teams“ Verlag Christa Limmer
  • Buch: Jörg Fengler, (2017) „Feedback geben. Strategien und Übungen“, Verlag Beltz


PS: Falls Sie sich fragen, warum die wunderbaren Illustrationen unserer Kollegin Angelika Kadnar mit Schweinen und Hühnern bevölkert sind, werden Sie doch einen Blick auf unseren Artikel zum Thema agile Software-Entwicklung mit Scrum!

Sie haben ein Software-Projekt, für das Sie zuverlässige Umsetzungspartner suchen? Dann kontaktieren Sie uns – wir freuen uns auf Ihre Anfrage!